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Rathaus SG Aue Foto: Jens Karstens

16. Oktober 2020: 10 Jahre Samtgemeinde Aue - eine Antwort auf den Artikel im „Bodendiker“ im September 2020

Der „Bodendiker“ ist eine Zeitschrift, die alle Vierteljahre „Informationen rund um Bad Bodenteich“ liefert. Sie wird laut Impressum von Anne Müller (Redaktion und Anzeigen) herausgegeben, in Wittingen gedruckt und kostenlos angeboten.

In der letzten Ausgabe vom September 2020 steht ein Artikel unter der Überschrift: „Zehn Jahre Samtgemeinde Aue – ein Rückblick“, unterzeichnet von HM, dies ist nach meiner Recherche Helmuth Müller.

Als langjähriger Kommunalpolitiker in der Samtgemeinde und Gemeinde Wrestedt und weiterhin Beobachter der aktuellen gemeindlichen Entwicklungen war ich sofort interessiert und gespannt auf die Erkenntnisse.

Mein anfängliches Interesse wurde belohnt, denn dieser Rückblick hat es in sich: Schonungslos wird mit den 10 Jahren - Samtgemeinde Aue - abgerechnet. Allerdings fühlte ich mich doch herausgefordert, einige kritische Punkte zu dem Artikel von HM hier zu veröffentlichen.
(Alle zukünftig in Anführungsstrichen („ “) und kursiv erscheinenden Wörter und Sätze sind wörtliche Zitate von HM.)

Gleich zu Beginn im Absatz 2 formuliert HM eine grundlegende Weisheit: „Es wäre müßig, die Entscheidungen von damals mit den Erkenntnissen von heute zu vergleichen“. Recht hat er!!! Fragt man das Lexikon, so wird als weitere Bedeutung für das Wort „müßig“ u.a. nutzlos, zwecklos usw. angeboten. Dann stellt sich für mich die Frage: Warum einen `nutzlosen` Artikel?

Trotz allem: HM will Bilanz ziehen, und das unter der „Nennung von Fakten der verflossenen 10 Jahre“. Dagegen kann man nichts einwenden, eine Bilanz kann zu wichtigen Erkenntnissen führen. Außerdem ist der Artikel noch mit Bildern bestückt, die zusätzlich erläutert werden.

Der Autor wird allerdings seinem eigenen Anspruch, eine Bilanz anhand von Fakten zu ziehen, nicht gerecht. Man merkt schnell, worauf alle angeblichen Fakten, besser - auf gefühlten Bewertungen und Meinungen basierende Beschreibungen - hinauslaufen sollen: „Es kann nicht zusammen wachsen, was nicht zusammen gehört.“

Auf alle Behauptungen und Themen im Artikel von HM einzugehen würde allerdings den Rahmen dieses Beitrages sprengen. Darum nur einige Beispiele dafür, dass Anspruch und Wirklichkeit in diesem Artikel an vielen Stellen nicht zusammen passen:

Im ersten Absatz geht es um den Namen „Samtgemeinde Aue“, der dem Autor zufolge nicht genügend bzw. gar keine Identität, kein Zugehörigkeitsgefühl stifte. Richtig ist, den Namen „Samtgemeinde Aue“ muss man nicht unbedingt gut finden. Er ist aber damals von den Bodenteicher Ratsmitgliedern selbst vorgeschlagen worden. Aber, wie HM es ja am Anfang formuliert hat: Es ist „müßig, die Entscheidungen von damals mit den Erkenntnissen von heute zu vergleichen“.

Die Behauptung des Autors allerdings, die „eigentlichen Ortsnamen … wären verschwunden“, ist sonderbar. Alle Ortsteile existieren mit ihrem Namen weiter. Und auch das alte Bodenteicher Alleinstellungsmerkmal: „Es gibt im ganzen Deutschen Reich nur ein einziges Bodenteich“- gilt damit in der Bundesrepublik Deutschland auch weiterhin.

In den nächsten beiden Absätzen folgt eine Gegenüberstellung zwischen den Orten Bad Bodenteich und Wrestedt: Bad Bodenteich wird dort vorgestellt als ein Ort mit „einer großen Geschichte und Vergangenheit und einer umfangreichen Infrastruktur“, Wrestedt dagegen als „Schlafstätte vieler ehemaliger Uelzener Bürger“. Wrestedt verfüge über keine dem Flecken Bad Bodenteich nur annähernd entsprechende „ausgewogene Infrastruktur“. Diese „ausgewogenen Strukturen“ in Bad Bodenteich „hätten natürlich viel Geld gekostet, aber es erbrachte auch die entsprechenden Gegenwerte“. Entsprechende Gegenwerte? Konkrete Fakten werden nicht genannt.

Könnte es sein, dass in dieser doch sehr eigenwilligen Betrachtung von HM etwas gekränkter Stolz durchklingt? Das von der Geschichte geadelte Bad Bodenteich muss seit 10 Jahren mit dem einfachen Volk aus Wrestedt zusammen arbeiten?

Aber es kommt noch besser: Angeblich hatte die Gemeinde Wrestedt ja zum Zeitpunkt der Fusion einen erheblichen Investitionsstau und hat nur darauf gewartet, um nach dem Zusammenschluss endlich in die eigenen maroden Schulen, Feuerwehren und den Kindergarten investieren zu können.

Fakten? Fehlanzeige.

Weiterhin versucht HM den Eindruck zu vermitteln, dass der Ort Bad Bodenteich zunehmend verwahrlose: Gossen würden nicht mehr gereinigt, der Seepark nicht entsprechend gepflegt, usw. Dies wird zusätzlich durch Bilder scheinbar belegt. Bilder sind erst einmal nicht widerlegbare Fakten, aber wenn man nicht dazu schreibt, dass beim ersten Bild die Straßenanlieger, beim zweiten Bild der die Bahn für diesen Zustand verantwortlich sind, drängt sich bei mir die Vermutung auf, hier werden Bilder und deren Erläuterung nicht genutzt, um Fakten aufzuzeigen, sondern um Stimmung zu machen.

Diese Stimmung wird dann noch zugespitzt, indem HM die Frage stellt, ob diese vermeintliche Verwahrlosung des Hauptortes Bad Bodenteich vielleicht sogar „gewollt“ sei. Gegenfrage: Wer sollte dies und vor allem warum wollen? Sind da düstere Mächte am Werk, die die Verwahrlosung des „größten Ortes der Samtgemeinde“ Bad Bodenteich zum Ziel haben?

Und dann geht`s um die Finanzen: Hier wirft HM Fakten und Behauptungen zu einem problematischen Gebräu zusammen, das nicht der Wahrheitsfindung dient.

Machen wir den Faktencheck: Jede Samtgemeinde finanziert sich zum Einen aus Zuweisungen vom Land Niedersachsen und zum Zweiten aus einer Umlage, die alle Gemeinden, also auch Wrestedt, Lüder und Soltendieck an die Samtgemeinde zahlen müssen.

HM stellt die Frage, ob die Samtgemeinde Aue den Flecken Bad Bodenteich als eigenständige kommunale Einheit „nicht doppelt abkassiert?“ Denn die neu entstandene Samtgemeinde Aue fordert vom Flecken Bad Bodenteich tatsächlich Geld, z.B. für alle Leistungen des Bauhofs, die nach Meinung von HM eigentlich schon durch die Samtgemeindeumlage abgegolten sind/seien.

Weiter im Faktencheck: Wrestedt muss ebenso wie die Gemeinden Lüder, Soltendieck und natürlich auch Bad Bodenteich ebenso für alle Leistungen des Bauhofes bezahlen. Außerdem finanziert die Gemeinde Wrestedt 49 % der Samtgemeindeumlage, Bad Bodenteich 29 %. Das bedeutet wiederum, dass der Flecken von der hohen Umlage aus Wrestedt profitiert.

Könnte es sein, dass HM mit der Frage „Wird hier nicht doppelt abkassiert?“ der Samtgemeinde Aue unterstellt, dass diese vorsätzlich und gesetzwidrig Geld nimmt, das ihr gar nicht zusteht? Was machen eigentlich die gewählten Vertreter*innen in Bad Bodenteich? Winkt die seit Jahrzehnten regierende CDU dies alles einfach durch? Oder will uns HM mit dieser Frage nur von einer Verschwörung gegen Bad Bodenteich in Kenntnis setzen?

Zum Thema Schützenhaus in Bad Bodenteich ist die Faktenlage so umfangreich und komplex, dass hier nicht darauf eingegangen werden kann. Die Vorgänge um das Schützenhaus haben Verwaltung und Politik viel Vertrauen gekostet. Dies ist Fakt.

Fakt ist aber auch, dass sich Schuldige immer schnell finden lassen und gefühlte Wahrheiten viel zählebiger sind, sich viel eher und nachhaltiger im Gehirn einnisten. Dies gilt sicherlich auch für das Thema Schützenhaus. Die Einteilung in Freund und Feind - „die da oben“ oder „die Verwaltung“ - ist sehr eingängig, und aus der Verbindung von Fakten, Halbwahrheiten und Meinungen werden schnell Legenden und manchmal abstruse Verschwörungstheorien. Irgendwann glauben die Urheber auch daran.

Ich habe den Eindruck, dass mit allem, was in dem Bodendiker-Artikel steht, nur ein Ziel verfolgt wird: Stimmung zu machen gegen alles, was in der Samtgemeinde passiert. Die Erkenntnisse aus der „Bilanz, unter Nennung von Fakten der verflossenen 10 Jahre“ bleiben dürftig und ergeben vor allem keine Hinweise, wie man es besser machen könnte. Ich frage mich dann: Was soll dieser Artikel bezwecken?

Für die Entwicklung und Zukunft in der Samtgemeinde Aue mit ihren Gemeinden und Ortsteilen brauchen wir Bürgerinnen und Bürger, die im positiven Sinn gestalten wollen. Wenn man sein Umfeld und die allgemeine Lebenssituation in den Ortsteilen verbessern will, ist es nicht notwendig, die Unterschiede zu verkleistern. Allerdings sollte es möglich sein, mit einem Mindestmaß an gegenseitiger Wertschätzung das Gemeinsame zu sehen und konstruktiv zusammen zu arbeiten.

Eine Voraussetzung dafür ist, dass der in dem Artikel von HM immer wieder durchscheinende Generalverdacht: die Wrestedter wollen uns nur Böses, abgelegt wird.

Ein letztes Wort zu den Unterschieden: Die politische Stimmungslage zwischen den Kommunalpolitikern, der Verwaltung und der Bevölkerung in den ehemaligen Gemeinden der Samtgemeinde Wrestedt ist seit ca. 35 Jahren, trotz aller Gegensätze, nie so kontrovers gewesen, wie es jetzt in Bad Bodenteich zu sein scheint. Wahrscheinlich liegt es daran, dass es in den Gemeinden Wrestedt und Stadensen in den vergangenen Jahrzehnten immer auch einen politischen Mehrheitswechsel zwischen SPD und CDU gegeben hat.

Lutke Ebeling

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