Mit unserer Kandidatin für die Samtgemeindebürgermeisterwahl: Ein Vormittag mit einer Frau, die verändern will
Ein Vormittag mit einer Frau, die verändern will
Der erste Blick am Morgen gilt nicht dem Smartphone.
Im Schlafzimmer steht ein Schminktisch. Dort beginnt der Tag. Routiniert, fast meditativ. Bevor die Haustür ins Schloss fällt, gibt es noch einen festen Termin, der in keinem Kalender steht: Einer der beiden Rauhaardackel drängt sich an sie, fordert seine Streicheleinheit ein. Erst wenn diese erledigt ist, beginnt der Rest des Tages.
Es ist ein Ritual, das Bodenhaftung gibt. Denn was danach folgt, ist selten planbar.
Im Hopfenkamp, einem ruhigen Wohngebiet in Bad Bodenteich, lebt sie mit ihrem Mann, ihrer 14-jährigen Tochter und den beiden Hunden in einem Einfamilienhaus mit Garten. Die Terrasse ist im Sommer der Lieblingsplatz der Familie. An einem Samstagmorgen, wenn die Woche für einen Moment innehält, sitzt sie hier gern mit einer Tasse Kaffee. Kein großer Luxus, sagt sie – eher eine kurze Pause, bevor das Leben wieder Tempo aufnimmt.
Wer ihr zuhört, merkt schnell, dass sie ihre Zeit nicht gern mit Stillstand verbringt.
Sie arbeitet in Vollzeit, engagiert sich ehrenamtlich und hat an vielen Tagen einen Kalender, der bis in den Abend gefüllt ist. Termine, Gespräche, Sitzungen. "Manchmal wünsche ich mir einfach ein paar Stunden mehr am Tag", sagt sie und lacht. Es klingt nicht wie eine Klage, sondern wie die nüchterne Feststellung einer Frau, die sich bewusst entschieden hat, Verantwortung zu übernehmen.
Das Arbeitszimmer liegt ruhig im Haus. Dort steht ein Sessel, den sie augenzwinkernd ihren "Nachdenksessel" nennt. Hier entstehen Gedanken, werden Notizen gemacht und Ideen sortiert. Viel Zeit bleibt dafür selten. Entscheidungen fallen oft unterwegs – zwischen Beruf, Familie und Ehrenamt.
Vielleicht ist genau dieses Spannungsfeld der Grund, warum sie Politik nicht als abstrakte Verwaltungsaufgabe versteht.
Andrea Kläden (mit Vogel) besucht mit FreundInnen das Handwerksmuseum Suhlendorf
Sie spricht nicht zuerst über Haushaltszahlen oder Satzungen. Sie spricht über Menschen.
Über Begegnungen. Über Heimat.
Wenn sie durch Bad Bodenteich geht, dauert ein Einkauf oft länger als geplant. Irgendwo ergibt sich fast immer ein Gespräch. Man kennt sich. Man grüßt sich. Man bleibt stehen. Besonders bewegt sie, wenn Kinder aus ihrer Einrichtung sie im Schwimmbad entdecken und freudestrahlend ihren Namen rufen. "Dann weiß ich einfach, dass ich hier zuhause bin."
Heimat, sagt sie, sei kein Ort auf der Landkarte. Heimat sei das Gefühl, dazuzugehören.
Dieses Verständnis zieht sich durch viele ihrer Antworten. Immer wieder fällt das Wort *Miteinander*. Es wirkt nicht wie ein politisches Schlagwort, sondern wie etwas, das sie tatsächlich antreibt.
Am Wochenende zeigt sich diese Verbundenheit an einem anderen Ort: am Fußballplatz.
Während ihr Mann den TuS Wieren trainiert und ihre Tochter selbst auf dem Platz steht, findet man sie an der Seitenlinie. Nicht zurückhaltend, sondern engagiert. Jubel und Anfeuerungsrufe gehören für sie genauso dazu wie das Gespräch nach dem Spiel. Der Fußballplatz ist für sie Treffpunkt, Familienzeit und Dorfleben zugleich.
Dass sie heute für das Bürgermeisteramt kandidiert, wirkt fast wie die logische Fortsetzung ihrer Biografie.
Andrea Kläden kandidiert auch für den Kreistag sowie den Samtgemeinderat der Samtgemeinde Aue und den Fleckenrat Bad Bodenteich
Schon als Kind fiel sie auf.
Aufgewachsen in der ehemaligen DDR, hatte sie früh den Mut, ihre Meinung offen zu sagen – auch dann, wenn das unbequem war. Lehrer empfanden sie gelegentlich als Herausforderung, ihre Mutter musste häufiger zu Elterngesprächen erscheinen, die Betragensnote war selten Anlass zur Freude.
Sie erzählt diese Geschichten heute mit Humor.
Der Kern dahinter ist geblieben.
Wer sie beschreibt, spricht von einer Frau, die beharrlich nachfragt, sich nicht schnell zufriedengibt und Diskussionen nicht aus dem Weg geht. Sie selbst formuliert es einfacher: "Nur zu reden reicht nicht. Man muss auch machen."
Genau darin sieht sie ihre Motivation für die Kandidatur.
Sie wünscht sich eine Verwaltung, die schneller entscheidet, kreativer denkt und Probleme gemeinsam löst. Neue Wege zu gehen bedeute für sie nicht, Bewährtes infrage zu stellen. Es bedeute, offen dafür zu sein, dass gute Lösungen manchmal außerhalb der gewohnten Denkmuster liegen.
Dabei wirkt sie nicht wie jemand, der alles umkrempeln möchte.
Eher wie jemand, der überzeugt ist, dass Veränderung dort beginnt, wo Menschen bereit sind, einander zuzuhören.
Im Wohnzimmer fällt der Blick auf die Terrasse. Draußen bewegen sich die beiden Dackel durch den Garten. Drinnen wartet schon der nächste Termin.
Bevor sie aufbricht, fällt noch ein Satz, der vieles zusammenfasst.
Der tschechische Staatsmann Václav Havel formulierte einmal: *„Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn macht – egal, wie es ausgeht.“*
Sie nickt.
Vielleicht ist genau das der Gedanke, der sie antreibt. Nicht darauf zu warten, dass sich etwas verändert. Sondern den ersten Schritt selbst zu gehen.